






Wenn Kerninflation zäher fällt als Gesamtinflation, bleibt der Druck hoch. Gegenübergestellt mit dem Leitzins erkennt man, ob die Realzinsen ausreichend dämpfen oder zu stark bremsen. Unternehmen sehen, wann Preiserhöhungen noch durchsetzbar sind und wann Preisdisziplin wichtiger wird. Haushalte verstehen, warum Kredite teurer sind und welche Laufzeiten taktisch sinnvoll erscheinen, während Investoren Duration- und Sektorallokation entsprechend feinjustieren.

Futures auf Leitzinsen verraten, was Märkte einpreisen. Doch diese Kurve irrt oft bei Wendepunkten. Der Abgleich mit tatsächlichen Beschlüssen und Inflationsüberraschungen zeigt eine nüchternere Linie. Wer Finanzierung, Sicherungen oder Portfolio-Balancen klug staffelt, nutzt diese Lücken bewusst und reduziert Timingrisiken. Zwei Grafiken genügen, um zwischen Wunsch und Wahrscheinlichkeit zu unterscheiden und Risikobudgets diszipliniert einzusetzen.

Vor der Finanzkrise unterschätzten viele das Kreditrisiko, 2022 unterschätzten viele die Hartnäckigkeit der Inflation. In beiden Fällen hätten zwei gut gewählte Grafiken – Kreditspreads neben Immobilienaktivität, Kerninflation neben Löhnen – früh gewarnt. Diese Demut prägt unseren Ansatz: Wir lieben starke Geschichten, aber wir testen sie gegen Daten. Und wir benennen offen, was wir nicht wissen, inklusive klarer Signale zum Umdenken.
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